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Mittsommernacht im Wattenmeer

Alarm im Gezeitenkalender! Auf Seite 26 im „Kleinen Blauen“ steht es schwarz auf weiß, die erste Hälfte des Segelsommers ist bald abgearbeitet. Halbzeit! Der 21. Juni kündigt es an: Sommersonnenwende!

Es war schon slawisches Brauchtum, diesen Sommertag, an dem die Sonne ihre Rückreise in den Winter antritt, gebührend zu feiern. Für die Skandinavier ist er heute noch ein Tag des Genießens. Für „t‘ Poffertje“ und Crew soll es auch ein besonderer Tag werden. So möchten wir seit einigen Jahren die Mittsommernacht im Watt verbringen, trockenfallen und die kürzeste Nacht des Jahres unter freiem Himmel genießen. Leider hat es aufgrund des Wetters bisher nie klappen sollen, denn jedes Jahr wieder: Wind NW 5-6, Schauerboen – wirklich kein Wetter um ein Event daraus zu machen.

Am Morgen des 21. Juni 2016 ist unser Tag gekommen. Der Deutsche Wetterdienst sagt für heute südwestliche Winde um 3 voraus, die abends auch noch abflauen sollen. Als Würze gibt es sogar Sonnenschein hinzu. Kleines Handycap: Deutschland spielt heute in der Vorrunde der Fußball Europameisterschaft gegen Nordirland. Aber dank moderner Technik könnten auch wir heute an diesem Match teilnehmen.

Schon früh morgens fahren wir zum Schiffsausrüster nach Meldorf und transportieren unsere erworbenen Kostbarkeiten weiter zum Hafen, wo unser Plattboden „t‘ Poffertje“ schon freudig an den Leinen ruckelt. Sämtlicher Proviant wird verstaut, noch ein paar Mal hoch und runter zum Auto bzw. zur Bootshalle gelaufen, bis schließlich alles an Bord ist, was auf so einer Reise gebraucht wird. „t‘ Poffertje“ und Crew sind klar zum Auslaufen! Aber wohin? Zum Tertius, auf die Sommerbank oder ins Muschelloch, Russenloch oder Sandloch? Ich entsinne mich an eine Wattwanderung von Friedrichskoog zum Bielshövensand mit dem Wattführer Jan Franzen, die quer über das Wattfahrwasser Hoogen verlief. Dieses Fahrwasser erlebt man eigentlich nur zur Hochwasserzeit um übers Watt in oder aus  der Meldorfer Bucht zu gelangen. Zur Niedrigwasserwasserzeit ist diese Gegend nicht so von Booten frequentiert. Deshalb wird der Hoogen heute unser Ziel sein. Festes und trockenes Sandwatt habe ich noch in guter Erinnerung. Leinen los! Yorke schmeißt die Vorleine los, Jerck bedient den Maschinentelegraph – halbe Kraft zurück.  Gegen 1300 Uhr schiebt sich unser Boot gegen die Tide durchs Sperrwerk, Pegel 6,70 m steigend. Jerck pustet das Achtungssignal durchs Horn – er hat Hunger. Also: Backen und Banken! Ich steuere das Kronenloch weiter seewärts, Maschinenfahrt.

Bei Tonne 40 verlassen wir das Fahrwasser, Kurs West, quer über das Watt. Die Wassertiefe nimmt kontinuierlich ab. Mit steigender „Bodenfreiheit“ nehmen wir dann die Mittelplate und ab 4,00 m unter uns Friedrichskoog Spitze voraus. Einen Augenblick später kommt die Tonne SL 9 und die 3 er Pricke zum Muschelloch in Sicht.

Während eines Besuches des Muschellochs bei Niedrigwasser erlebten wir in der letzten Woche wieder einmal, was Vergänglichkeit ist. Die einst so große Muschelbank verliert immer mehr an Fläche! Jede Flut trägt Sedimente heran, die die im Sonnenschein so herrlich leuchtenden Muscheln immer mehr bedecken, Jahr für Jahr. Ältere Photos zeigen unser Boot dort auf Muscheln trockengefallen, wo heute nur noch Schlick zu sehen ist.

An der Ansteuerungspricke läuft noch Flut. Wir werden also zum Höchstwasserstand ankommen. Das Echolot „singt“ noch die Tiefe des Muschellochs aus. Dann, 1,60 m, 1,50 m, 1,40 m! Das Wattenhoch Hoogen ist erreicht. Büsum Hochhaus peilt N und die Bohrinsel WSW! Ein Blick in die Seekarte bestätigt es. Jetzt wird „t‘ Poffertje“ nur noch Richtung Bielshövensand aus dem Wattfahrwasser zum Ankerplatz gebracht, 60 cm Sicherheit gönnen wir uns. Ausloten, Bodenprobe und – fallen Anker. Yorke am Ankerspill, Jerck wieder am Maschinentelegraphen und an den Ankerball denkend. Sonne satt und einschlafender Wind, ein feiner Platz für die Mittsommernacht. Pegel Büsum 6,83 m.

Es ist noch ein wenig Zeit, bis zum Trockenfallen. Die Kinder bereiten derweil eine lustige Flaschenpost vor, mit der sie dem Finder einen netten Gruß aus dem 8. Weltmeer senden wollen. Ein Flaschenpostbote kommt heute leider nicht mehr vorbei also wird die Post dem abebbenden Seewasser mitgegeben. Tschüß und gute Reise!

Dann ist es soweit, unser schwimmendes Zuhause setzt auf und bewegt sich nicht mehr. Die Lütten sind nicht mehr zu halten, es ist warm und sie wollen ins Wasser! Schon fliegt die Knüppelleiter über die Kante und die Füße werden ins Nass getaucht. Das Wasser ist heute besonders klar und am Grund nahe der Pricken sind Unmengen von Herzmuscheln zu sehen. Sie werden uns in Kürze ein besonderes Naturschauspiel zeigen. Mit dem Freiwerden der Wattflächen graben sich die Herzmuscheln in den Schlick ein und schießen das letzte Wasser aus ihrem Körper ca. 30 cm hoch in die Luft. Bei dieser Herzmuscheldichte glänzen diese unzähligen Wasserfontänen im Sonnenlicht und könnten in dieser Formation an den Salzburger Wasserspielen teilnehmen. Yorke und Jerck sammeln einige Muscheln und legen eine Strecke zum Herzmuschelrennen aus. Welche sich wohl als letztes eingegraben haben wird? Das Wettbüro ist eröffnet.   

19:30 Uhr, Abendbrotzeit! Es gibt Spaghetti Bolognese, mhh, lecker. Während des Essens kommt die Frage auf, ob Herzmuscheln ess- und genießbar sind. Also folgt der Mahlzeit die Muschelkunde in der Bordliteratur. Mit der Antwort essbar aber nicht sonderlich geschmackvoll geht es noch einmal auf Abendspaziergang ins Watt, Richtung Büsum, immer höher hinauf auf den trockenen und festen Bielshövensand. Wie eine Trophäe liegt unser Boot jetzt in der Ferne auf der Ebene. Zurück an Bord gibt es noch eine Gutenachtgeschichte von einem Wrack im Wattenmeer. Dieses Wrack war einst ein stolzes Segelschiff und hatte Klaviere geladen. Während eines Sturms strandete es zwischen den vorgelagerten Außensänden und musste aufgegeben werden. Im Laufe der Zeit hat der Sand sich das Schiffswrack geholt und unter sich begraben. Eine Wracktonne kennzeichnet heute noch die Untergangsstelle. Der Sage nach kann man nachts, bei ruhiger See, in der Nähe des Unglücksortes Klaviere spielen hören. Schon bald ist Ruhe im Schiff!

Sonnenuntergang ist heute um 22:00 Uhr. Fix wird noch eine Erdbeerbowle als Sundowner angesetzt. Frische Erdbeeren schnibbeln, kalter Sekt drüber und ab in die Plicht. Im Westen kommt Bewölkung auf, es zeigt sich ein chaotischer Abendhimmel. Wir genießen die Ruhe im Watt und freuen uns über den im Südosten aufgehenden Vollmond. Nach kurzem Schmökern in Jörgen Brackers Roman „Hinter der Nebelwand“ folgt dann auch für den Rest der Crew die Nachtruhe. Bald kommt das Wasser zurück.

Gegen Morgen werde ich von einem leichten Prasseln an Deck sanft aus dem Schlaf getrommelt. Es regnet! Sandra ist schon auf und schließt die Bulleyes und das Schiebeluk. Ich merke noch, wie unser Boot leicht auf den Grund stuckert und sich einen feinen Platz zum erneuten Trockenfallen sucht. Dann bin ich wieder eingeschlafen. Wir haben jetzt wieder Zeit –  welch ein kostbares Gut!

Zum Frühstück sind dann alle wach.  Draußen ist es noch grau, kühl und klamm. Wir schließen die Tür, drehen die Bootsheizung an und genießen zusammen eine köstliche und ausgiebige Mahlzeit unter Deck. Die Kinder möchten eine Runde „Schiffe versenken“ spielen – finde ich gar nicht witzig! Über der Weite des Bielshövensandes arbeitet sich die Sonne mittlerweile durch die Wolken durch und lässt die Lufttemperatur deutlich wärmer werden. In der Ferne ankert das Seezeichenschiff „Wulf Isebrand“. Ihre Besatzung prickt heute das Neufahrwasser neu aus, bis hinauf zum Sperrwerk Friedrichskoog!  

An Bord kommt Unruhe auf, die Sonne scheint und es ist kein Halten mehr. Wir machen uns klar zum Wattgang. In der Senke des Prickenweges laufen wir nach Osten zum Muschelloch, der Flut entgegen. Wir sehen, wie die erste Flutwelle ins Muschelloch drückt und sich immer weiter den Hoogen hinaufschiebt. Wir laufen mit ihr in Richtung Boot zurück. Yorke lässt ihr Spielboot mit der Flut fahren und Jerck versucht mit Staudämmen und Durchbrüchen das steigende Wasser zu regulieren. Etwa bei halber Tide trifft „unsere“ Flut auf den Flutstrom, der sich vom Altfelder Priel hinaufschiebt und schließt die Wasserfläche im Scheitel des Wattenhochs „Hoogen“. Pegel Büsum 5,10 m. Noch ein kleines Bad im frischen Wasser und dann geht’s auch schon wieder an Bord. Unser Holländer schwimmt auf. Noch ein kleiner Snack und dann heißt es: „Anker hieven!“ Während Jerck die Ankerwinde bedient, steht Yorke mit dem Deckswaschschlauch klar zum Spülen der Ankerkette. Doch die Kette kommt schon sauber aus dem Wasser und verschwindet im Kettenkasten.

Das azurblaue Himmelsbild wird mittlerweile von keiner Wolke mehr gestört, es ist warm und der Wind weht mit 2 bis 3 bft aus West. Beste Bedingungen für „Sailtraining“! Also Segel setzen! Es ist Arbeitsteilung angesagt, einer an das Klaufall und einer an das Piekfall. Dann die Gaffel immer schön waagerecht vorheißen, bis das Klaufall tight kommt. Erst danach das Piekfall weiter holen, bis es durchgesetzt ist. Jetzt noch die Fock und den Klüver. So segeln wir unter Vollzeug gegen die Tide nach Osten. Während Mama und Papa das ruhige Dahingleiten unter Segeln sehr genießen, kommt bei Jerck erstaunlich früh Langeweile auf. Er bemerkt, dass es wohl besser wäre, den Motor wieder zu starten. Zusätzlich wünscht er sich einen Düsenantrieb herbei. Im Steertloch können wir die Höhe des Fahrwassers nicht und segeln quer übers Watt in Richtung Tonne SP 34. Hier läuft schon Ebbe, die wir mit ein paar Schlägen nutzen, um nach Büsum zu kommen. Im Vorhafen machen wir wieder ein All-hands Manöver und bergen die Segel. Im Museumshafen festgemacht, genießen wir Urlaubsstimmung am Büsumer Hauptstrand.

Am folgenden Tag runden ein Besuch des Piratenbades und der Familienlagune den Büsumbesuch ab, bevor es mit der nächsten Mittagstide, unter Segeln wieder zurück nach Meldorf geht.

Text undFotos Michael Wieben

Konsul – Klöben – „Regatta“

 

Seit fast 40 Jahren begeben sich am. 3. Advent die weder durch vereiste Decks noch Regen, Nebel und Schneetreiben abzuschreckenden eisenharten Gaffler auf die Suche nach ihrem geheimnisvollen Förderer, dem Konsul Klöben. Man sagt ihm schier übernatürliche Kräfte nach. So soll der strahlende Sonnenschein nur ihm zu verdanken sein, bei dem in diesem Jahr eine Flotte von 6 traditionell geriggten Schiffen seinem Kielwasser zu folgen versuchte – zusätzlich eskortiert von der Dampfbarkasse Otto Lauffer, dem Zollboot  Präsident Schaefer und der Barkasse Sperber mit spendenwilligen Gästen an Bord. Obwohl bereits im vergangenen Jahr die Fahndung unweit der Köhlbrandbrücke ins Leere gelaufen war so wollten  die Gerüchte nicht verstummen, dass er auch in diesem Jahr dort das Treiben der alten Segler mit ihren braunen Segeln verfolgen wolle. Doch just als die schnelle Poeler Aaljolle „Schanze“  ihm schon recht nahe gekommen war, vielleicht zu nah, drehte er den ohnehin schwachen Wind  – und entkam unerkannt. Weder der Catarina der Stiftung Hamburg Maritim noch der Anna aus dem Museumshafen gelang es ihn einzuholen. Entmutigt holten die Crews bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Segel ein und eilten unter Maschine zu heißem Punsch und Klöben in den Döns genannten Pavillon auf dem Anleger des Museumshafens Oevelgönne um dort die wohlverdienten Auszeichnungen für den harten Einsatz entgegen zu nehmen. Bei einbrechender Dunkelheit, so war am Abend noch zuhören, hätte man allerdings den hochgezwirbelten Schnurrbart unter der charakteristischen Nase unter den klugen Augen mit dem Kneifer durch die beschlagenen Scheiben gesehen. – feierte man doch in diesem Jahr wesentlich entspannter, da es nach klug geführten Verhandlungen gelungen war, unterstützt u.a. von rebellischen Junggafflern, Ministerpräsidenten und Abgeordneten die befürchtete neue Sicherheitsrichtlinie den Erfordernissen vieler Traditionssegler anzupassen.

 

Text und Fotos H.H.Böhm 2017

Schiffssicherheitsverordnung für Traditionsschiffe wird verschoben

 

In einem Spitzengespräch mit dem amtierenden Verkehrsminister Christian Schmidt ist zwischen dem Vorsitzenden der GSHW und dem Minister vereinbart worden, dass der Entwurf zur neuen Verordnung ergebnisoffen überarbeitet werden soll. „Der Minister und auch wir streben eine Verordnung an, mit der es den Betreibern auch in Zukunft möglich sein soll, Traditionsschifffahrt unter deutscher Flagge zu betreiben“ so Jan-Mathias Westermann, Vorsitzender der GSHW.

In der am Mittag folgenden Arbeitskreissitzung zwischen dem BMVI und den Verbänden wurden erste Ergebnisse erzielt, so zum Beispiel, dass alle Ausnahmen von dem im Verordnungstext vorgesehenen baulichen Vorschriften schiffsbezogen festgehalten und für die Lebensdauer des jeweiligen Schiffes festgeschrieben werden. Dieses Vorgehen entspricht auch der Forderung der GSHW, eine Differenzierung nach Fahrtgebieten und Schiffsgrößen in der Verordnung zu verankern.

Weitere Gesprächsrunden werden am 28.11 und 15.12 2017 folgen. Die neue Verordnung soll dann am 01.04.2018 in Kraft treten.

„Wir sind verhalten optimistisch, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden“ so Nikolaus Kern, stv. Vorsitzender der GSHW.

 

Die Pressemitteilung zum Download findet man hier:

PM_20.11.17 (1)

 

Pressemitteilung der GSHW – Deutsche Traditionsschiffe in Gefahr

PM 10.11.17
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beabsichtigt den neuen Entwurf für die Schiffssicherheitsverordnung für Traditionsschiffen, der zum 01.01.2018 in Kraft treten soll, In der nächsten Woche zu unterschreiben. Darin enthalten sind Forderungen über Bau und Betrieb von Traditionsschiffen, die nicht umgesetzt werden können.
Der vom Bundesverkehrsministerium herausgegebene Entwurf sieht Änderungen und Vorschriften vor, die zur Folge haben, dass
1. der Betrieb hinsichtlich der Anforderungen an die ehrenamtliche Besatzung nicht mehr, oder nur noch eingeschränkt möglich sein wird,
2. die Schiffe in ihrem Aussehen bzw. baulichen Zustand so nachhaltig verändert werden müssen, dass sie ihren ursprünglichen Charakter verlieren könnten,
3. der finanzielle Aufwand zur Umsetzung der Forderungen die monetären Möglichkeiten der Betreiber übersteigt und der weitere Betrieb gefährdet ist.

Wird der Entwurf unverändert umgesetzt, werden deutsche Traditionsschiffe kaum mehr eingesetzt werden können. Die lebendige Präsentation traditioneller Seefahrt wird nicht mehr möglich sein. An den Paraden auf den maritimen Veranstaltungen wie Kieler Woche, Hansesail, Dampfrundum, Travemüder Woche, Sail Bremerhaven, Hamburger Hafengeburtstag usw. werden deutlich weniger deutsche Schiffe teilnehmen können.
Darüber hinaus werden dann Jugendreisen, die soziale Grundlagen wie Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein der Jugendlichen fördern, kaum mehr angeboten werden können. Die Schiffe dafür werden fehlen.
Das Maritime Erbe unseres Landes wird nur noch in Museen besichtigt werden können, nicht jedoch in der Praxis erlebt.
Seit mehr als 40 Jahren haben sich überwiegend ehrenamtlich tätige Freunde alter Schiffe darum bemüht, diese durch Erhalt und Pflege für die Gemeinschaft zu erhalten. Neben dem Gedanken des Maritimen Erbes sind es vor allem Jugendliche, die auf diesen Schiffen Erfahrungen sammeln können, zum Beispiel bei Klassenfahrten oder europäischen Treffen von Traditionsschiffen.

Nikolaus Kern, stv. Vorsitzender der GSHW: „ Wir erwarten vom BMVI, dass die Verordnung nicht in Kraft gesetzt wird, bevor sie nicht in Gesprächen mit den Verbänden so überarbeitet worden ist, dass der Erhalt der deutschen Traditionsschiffe gesichert ist. Wir möchten auch in mittelfristiger Zukunft fahrende Traditionsschiffe unter deutscher Flagge an unseren Küsten erleben.“

​ GSHW e.V. – Der Deutsche Dachverband für Traditionsschiffe

Titanic – Bordbuch auf dem Ewer Elfriede Lesung in Glückstadt Sonntag, 1. Oktober 2017 11.00

In Kürze erscheint im Delius Klasing – Verlag der der liebevoll gestaltete Band     Das Titanic – Bordbuch. 

Kompetent übersetzte Klaus Neumann den englischen Text. Am Sonntagmorgen, nach der traditionellen Regatta Rhinplate rund liest er daraus.
Diesmal werden allerdings nicht die allseits bekannten Fakten zum 100. male umgewälzt, potentiellen Passagiere dafür erhalten eine fachkundige Einführung in das Bordleben von der ersten bis zur dritten Klasse. Dazu gehören selbstverständlich auch Hinweise wann und zu welcher Gelegenheit was zu tragen ist um gesellschaftlich nicht im Abseits zu stehen ebenso wie der Bordalltag zu gestalten gleichzeitig vermitteln die Autoren einen Eindruck von der Technikeuphorie zu beginn des 20. Jahrhunderts. Dies unterstreicht der englische Titel noch einmal:

The Titanic Pocketbook – A Passengers Guide

Auf Wiedersehen am Sonntagmorgen im Salon des Ewers Elfriede um 11 Uhr!

 

Jürgen Geier auf der RICKMER RICKMERS

Vom 18.9. bis zum 27.10.2017 ist die Ausstellung mit den surrealistischen Werken des genialen Malers Jürgen Geier in den Galerieräumen der RICKMER RICKMERS zu sehen.

Der Maler, der seit seinem 16. Lebensjahr malt, hat seit 2003 den maritimen Surrealismus für sich entdeckt.
Besonderen Wert legt der Künstler auf schiffshistorische Details, die mit Akribie dargestellt werden.

Jürgen Geier erzählt in seinen altmeisterlichen Gemälden Geschichten und freut sich, wenn der Betrachter sich in die zahlreichen Einzelheiten vertieft und Entdeckungen macht, die ihn schmunzeln lassen.
Der Maler, der ursprünglich aus Süddeutschland stammt und seit dem Jahr 2000 in Bruchhausen-Vilsen, in der Nähe von Bremen lebt, hat einen klassischen Gaffelschoner selbst gebaut und bezieht seine Inspiration auch aus seinen Erfahrungen als Segler und aus seinen Kenntnissen der traditionellen Seemanschaft. Bisher führten ihn Ausstellungen in den norddeutschen Raum, die Schweiz und nach London.

Wer noch nie auf der RICKMER RICKMERS war, einfach mal hingehen und staunen. Es lohnt sich!

Die Öffnungszeiten täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr.

Verhandlungsbeginn mit BMVI zur Schiffssicherheits-VO

Mit großer Unterstützung durch Protestaktionen der Traditionsschiffer konnte die GSHW die Verhandlungsbereitschaft des Bundesverkehrsministeriums knacken. Die erste Runde zu strittigen Inhalten der VO nach zwei Sondierungsgesprächen in Berlin am 23. Mai (mit zahlreichen Betroffenen) und am 20. Juni soll im September stattfinden. Zur Zeit wird ein gemeinsamer Termin mit Vertretern des BMVI, der BG-Verkehr und der GSHW / AGDM gesucht.

Rigmor und Landrath Küster vor Glückstadt (Foto: Monika Kludas)

Die Verhandlungen wurden erst möglich, nachdem das BMVI entschieden hatte, dass die neue VO nicht vor 2018 in Kraft treten soll. Die GSHW hofft weiterhin darauf, dass Änderungen an der geplanten VO eingearbeitet werden und nicht nur Zusatzvereinbarungen und Ausnahmegenehmigungen den bürokratischen Aufwand erhöhen und gleichzeitig die Planungs- und Rechtssicherheit verschlechtern. Zudem sollen Fördermittel in den ersten fünf Jahren in Höhe von insgesamt 25 Mio. Euro die notwendigen Umbauten finanzieren helfen. Eine Förderrichtlinie zu erarbeiten ist nun Aufgabe der GSHW. Bestätigt hat das BMVI auch die Einrichtung einer Schlichtungsstelle mit einem Ombudsmann. Dieser wird nicht nur juristische, sondern auch technische Fragen zu klären haben. Offen ist auch, inwieweit die Fortbildungmaßnahmen und Seediensttauglichkeitsprüfungen auf ein für die ehrenamtlichen Besatzungen durchführbares Maß gesenkt werden können.

Die Qualität der Verhandlungsergebnisse wird am gemeinsam formulierten Ziel zu messen sein: dass kein Traditionsschiff seinen Betrieb aufgrund von Problemen mit der neuen Verordnung einstellen muss.

Buchvorstellung – Jörgen Bracker – EIN WUNDERHORN FÜR DIE KÖNIGIN

Genau am 80. Geburtstag des Autors und langjährigen Direktors des Musems für Hamburgische Geschichte erschien sein jüngstes Werk, ein Essay, unter dem o. g. Titel. Erstmals gelingt es, den Bildzusammenhang der zahlreichen, winzigen Reliefs und Ziselierungen auf dem Oldenburger Horn zu deuten und zugleich die Absicht offenzulegen, die sich mit diesem unglaublichen Meisterwerk spätgotischer Goldschmiedekunst verbindet:. Ein erster Trunk aus diesem Gefäß sollte das feierliche Zeremoniell einer Krönung des ersten Königs der Kalmarer Union am 17. Juli 1397 noch erhöhen. Die virtuose Auslegung des Kunstwerkes führt Jörgen Bracker immer wieder zu der entscheidenden Figur des politischen Spiels dieser Zeit: Margrete I. von Dänemark.

Zur feierlichen Buchvorstellung, einer Lesung und Darstellung des historischen Hintergrundes durch den Autor laden das Museum für Hamburgische Geschichte, die Hamburger Autorenvereinigung und der KJM Buchverlag herzlich ein.

Begrüßung: Prof. Hans-Jörg Czech, Museum für Hamburgische Geschichte, Sabine Witt, Hamburger Autorenvereinigung und Klaas Jarchow, KJM Buchverlag

Im Anschluss gibt es bei einem Glas Wein die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit dem Autor. Für die musikalische Umrahmung auf der Konzertina sorgt Joachim Staugaard.

MONTAG, 26. Juni 2017, 19.00 Uhr Hörsaal im Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, 20355 Hamburg info@jarchow-media.de www.hamburgparadies.de

Jochen Wiegandts neues Buch – Hallo, Hier Hamburg – Lieder und ihre Geschichte

Von „Liederatur“  zu berichten ist Jochen Wiegandts Ziel und Programm, damit fesselt er seine Zuhörer, egal ob beim Hafenkonzert des Norddeutschen Rundfunks oder live bei Auftritten wie kürzlich im Grundsteinkeller des Hamburger Rathauses als Gast des literarischen Kabaretts „Die Wendeltreppe“. Zusammen mit seinem musikalischen Partner am Akkordeon führte er sein gebannt lauschenden Zuhörer durch die Welt der Seemannslieder und Shanties. Mühelos gelingt es ihm, launig aber immer spannend, die Geschichten zu vermitteln die hinter den Liedern stecken. Er will den „Liedern und Balladen die Bedeutung

zurückgeben die sie verdienen, ihre Entwicklung untersuchen und die Veränderungen aufdecken, die sie durch Zensur und Nachlässigkeit erfahren haben. Dabei räumt er mit so mancher lieb gewonnenen Überzeugung auf.

Wenn er,  musikalisch überzeugend unterlegt, schildert wie weit die vielen Shantychöre, die es ja erst seit 1956 gibt, vom wirklichen Leben bzw. vom echten Shanty in ihren Darbietungen  entfernt sind. Obwohl kaum einer dieser Sänger je die Planken eines echten Windjammers betreten, geschweige denn den rauen Alltag des Seemanns kennen gelernt hat, gaukeln sie dem Zuhörer mit Hilfe von im Rhythmus völlig falsch gesungenen Arbeitsliedern (Shanties) eine Romantik vor, die es nie gegeben hat. Dazu gibt es die Hintergrundgeschichten zu so bekannten Stücken, wie „Einmal noch nach Bombay“, „Ein Schiff wird kommen“, dem Lied der Gorch Fock „ Weiß ist unser Schiff“ oder „Wir lagen vor Madagaskar“ aus den 1930 er Jahren, das aus mehreren Urliedern zusammengesetzt wurde.

Seit vielen Jahren hat es sich der 1947 in Güstrow geborene Sänger, Liedermacher und im besten Sinne Amateur – Volkskundler zur Aufgabe gemacht altes Liedgut zu sammeln, auf seine musikalischen, politischen, sozialen und sogar moralischen Hintergründe zu untersuchen. Ob mit der 1975 gegründeten Gruppe Lieder Jan, die sogar mittelalterliche Lieder mit historischen Instrumenten wieder belebte oder  in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt“ in dem 2013 erschienenen Buch „Singen Sie Hamburgisch“ – stets stand das Bemühen vom vergessen bedrohte Lieder in Ihrem historischen Kontext zu bewahren im Zentrum.

Mit dem nun vorliegenden Buch, das er selbst ein „buntes Kaleidoskop mit den Songs der Seeleute von den sieben Meeren“ nennt, dem „Liederaturmuseum“ ist es ihm gelungen seine unterhaltsamen und faszinierenden Abende  nahezu 1:1 in Buchform zu übertragen.

Dass dem Lektorat kleine Fehler entgingen, wie dass die Gorch Fock nicht das zweite Segelschulschiff der bundesdeutschen Marine ist, sondern das zweite dieses Namens spielt bei der Fülle der recherchierten Fakten wohl kaum eine Rolle.

 

Ergänzt werden die Texte zum einen durch historisches Bildmaterial zum anderen durch aktuelle Fotos des wohl besten Hamburgfotografen, Michael Zapf.

 

 

Jochen Wiegandt
Hallo, hier Hamburg.
Format 13,5 x 21cm,256 S.
Edel Books, Hamburg
ISBN – 978 – 3 – 8419 – 0524 – 6
Preis: 17,95€

© H.H.Böhm 2017