Tall Ships´ Races 2019 Im Kielwasser der Wikinger und der Hanse

ROUEN – SCHEVENINGEN – AALBORG – FREDRIKSTAD – BERGEN – AARHUS

Recht früh beginnt in diesem Jahr der Veranstaltungsreigen in dessen Mittelpunkt zu Beginn die großen Windjammer stehen – und später alle mögliche Galeassen, Schoner und Yachten – insgesamt liegen Ende Mai weit über 75 Meldungen vor.

Diktiert wurde das frühe Datum vom Beginn der Landung in der Normandie am 6.Juni 1944, die im historischen Gedächtnis der Frankreichs, Englands und der USA eine so wichtige Rolle spielt.

Patrick Herr, einem langjährigen Mitglied er französischen Nationalversammlung, gelange es wieder zahlreiche Windjammer und Einheiten nach Rouen zu holen  um dort dem denkwürdige Ereignis zu gedenken. Als L´ Armada de la Liberté 6. -16. Juni), eine Reihe die 1989 mit der unübertroffenen L´Armada de la Revolution begann,  wird sich auch dieses Treffen in die Reihe der spektakulären Veranstaltungen am Ufer der Seine einreihen.

Da  nur wenige Wochen später die traditionellen Tallships´Races in Aalborg beginnen, entschloss sich die federführende Organisation „Sail Training International“  den Schiffen ein Angebot zu machen: Sie  rief zu einer Art Zubringer – Regatta, dem Liberty Race, von der Seine – Mündung(Start 17.6. 2019) nach Scheveningen (20. – 23.Juni) in den Niederlanden.

Wenn Rouen auch nie eine Siedelung der Wikinger war, so wurde die Stadt doch von den harten Kriegern mehrfach geplündert, ebenso wie Siedlungen an der flämischen Küste womit wieder die Verbindung zu den Wikingern und deren Kielwasser hergestellt ist. 

Das über tausendjährige Aalborg jedoch ist tatsächlich eine Wikingergründung (vermutlich um 682) wie zahlreiche sehenswerte Spuren in der Umgebung beweisen. Eine eindrucksvolle Armada wird sich am 3. Juli dort zum dritten Mal versammeln und bis zum  6. Juli bestimmt wieder zahlreiche Besucher anlocken. Nach der eindrucksvollen Parade im Limfjord ist die norwegische Festungsstadt unweit der Glomma – Mündung das Ziel von Race 1. Eng gedrängt liegen dort die vielen Segler vor Nordeuropas besterhaltener Festungsanlage und dem Zentrum zur Restaurierung historischer Holzschiffe (Isegran).

Von dort geht es mit vielen Zwischenstopps um Südnorwegen herum, als sog. „Cruise in Company“ nach Bergen. Dieses gemeinsame Segeln, bei dem oft Besatzungsmitglieder mit anderen Schiffen getauscht werden, dient vor allem dem gegenseitigen Kennlernen und ist kein Wettbewerb. Den gibt es wieder nach den spannenden Tagen in Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens und Krönungsstadt – gegründet um 1070 vom Wikingerkönig Olav Kyrre. Obwohl Bergen nie eine Hansestadt war, gehört um 1360 das dortige Hansekontor zu den wichtigsten Handelsplätzen des Mittelalters. Trotz mancher Stadtbrände repräsentiert die Tyske Bryggen bis heute nahezu unverfälscht diesen, unter dem Schutz der UNESCO stehenden,  mittelalterlichen Handelsplatz. Auch wenn Bergen wegen seiner vielen Regentage berüchtigt ist, während der Tallships´Races hatte Petrus meist ein Einsehen und schickte Sonne und Wärme. Trotzdem, die schönen Tage vom 21 -24. Juli enden und Race 2 beginnt. Ziel ist Dänemarks zweitgrößte Stadt Aalborg, berühmt nicht nur wegen ihres Aquavits sondern auch sehenswerter moderner Architektur, romantischer Altstadtwinkel  und schicker Shopping Malls.

Wenn am Sonntag , dem 4. August mit der Übergabe der Sail Training International – Trophy für Völkerverständigung die Rennserie für dieses Jahr endet, werden eine ganze Reihe von Schiffen Segel setzen um die nun 700 jährige Hansestadt Rostock anzulaufen. Dort, vielen die Chance geben während der Tagestörns ihrer Sehnsucht Romantik zu frönen oder die Decks für´s Open Ship“ freigeben (u.a. Cuauhtemoc aus Mexiko) .

Aktuelle Informationen gibt es immer unter:

www.sailtrainginternational.org

©2019 H.H.Böhm

Hamburg: LANGE Nacht der (maritimen) Museen 18.-19. Mai 2019

Auf fast 400 eng bedruckten Seiten stellt der  Hamburger Museumsdienst das Programm der langen Nacht vor. 11 Buslinien, fast alle von den Deichtorhallen ausgehend, verbinden die mehr als 50 Museen, zudem bringt der 1876 gebaute Alsterdampfer „St. Georg“ Besucher vom Jungfernstieg über die historischen Kanäle Barmbeks zum Museum der Arbeit. Die roten Barkassen der Circle Line ersparen Gästen die lange Fahrt mit Bus oder Auto zu den 50er – Schuppen aus der Zeit Kaiser Wilhelm II. Wer die faszinierende Matinee im Prototypen – Museum während des Hafengeburtstages versäumt hatte, erhält hier über das zukünftige Deutsche Hafenmuseum von der Projektleiterin Ursula Richenberger nochmals Informationen aus erster Hand.

M

Bestimmt findet der Aufstieg zur Spitze eines historischen Hafenkrans ebenso viel Interesse wie der Programmpunkt „Orientierung auf der Elbe auch nachts bewahren“.  Hafensenioren berichten zudem „aus der guten alten Zeit“ und Ewerführer über das gar nicht so romantische Leben auf einer Kastenschute. Welch enorme Bedeutung die heute fast vergessenen Kräne für den Hamburger Hafen hatten, erläutert Carsten Jordan, der jetzige Leiter des Museums. Zur Musik aus aller Welt, incl. Jazz, mit der die UKW – Band unterhält gibt es in der Kaffeeklappe das, was damals auch den kräftigen Stauern schmeckte  (Hafenmuseum – Zeitkapsel: Wir bewahren das kulturelle Erbe des Hafens).

Im Auswandererzentrum Ballin Stadt, am besten mit der Buslinie 307 oder der S-Bahn zu erreichen, berichten Mitarbeiter während der Führungen u.a. über „Auswandererschicksale im Wandel der Zeiten“.

Im „Internationalen maritimen Museum“  steht diesmal die britische Navy im Mittelpunkt. Thematische Führungen  (ca. 30min),  u.a. zur britischen Marinemalerei, den Pressgangs, dem Modellbau, vermitteln an Hand der faszinierenden Ausstellungstücke einen tiefen Einblick in den harten Alltag der Mannschaften im 18. und 19. Jahrhundert. Klar, dass bei dieser Thematik extra gebraute Ales und Stouts im Anschluss für die richtige Stimmung sorgen.

Zum größten  noch fahrenden Museumsschiff der Welt, der Cap San Diego sind es nur wenige Busminuten. Dort wartet ein Hochseilgarten, der bis 30m in die Höhe führt auf wagemutige Kletterer. Selbstverständlich steht den Besuchern  das ganze Schiff zur Verfügung, erklärt von den „Ehrenamtlichen“ oft ehemaligen Seeleuten.

Zur nächsten Station, dem „Museumsschiff Rickmer Rickmers“, sind es nun nur noch Gehminuten. Dort unterhält Dieter Schmid mit maritimen Liedern und seinem Akkordeon, Bernd Duckstein will mit altersgerechten Spielen Kinder für das Museumsprojekt begeistern. Dem Vorsitzenden des Betreibervereins bleibt es vorbehalten umfassend über die Geschichte des Dreimasters und seiner Crew zu referieren.

Sowohl das Altonaer Museum als auch das Hamburg Museum (frühert: Museum für Hamburgische Geschichte) verfügen über große maritime Abteilungen. Ersteres informiert an diesem Abend u.a. über das moderne Piratenunwesen, die immer noch Hamburgs Reeder bedrohen. Im Altonaer Museum geht es u.a. um das Bewahren von Ausstellungsstücken im Museum und wertvollen Souvenirs in den Wohnungen der Besucher.

Auch das frühere Museum für Völkerkunde, heute MARKK, beherbergt umfangreiche Sammlungen zur Seefahrt der Völker in Afrika, Asien und im Pazifik, die aber diesmal nicht im Mittelpunkt des Veranstaltungsprogramms stehen.

Da die Eintrittskarten auch noch am Sonntag gültig sind, kann man 17€ für Erwachsene (14€ ermäßigt bis18J.) und 4€ für 13 – 14 Jährige akzeptieren – auch wenn hier wieder zu kritisieren ist, dass viele Hamburger Rentner, Studenten und Hartz IV – Empfänger unangemessen benachteiligt werden!

Etwas verständlicher wird diese Entscheidung wenn man weiß, dass ein kleines 5 Personenteam all  diese viele hundert Programmpunkte koordinierte und vollständig von der Finanzierung durch Sponsoren abhängt. Wie gering Hamburgs Kulturbehörde diese Veranstaltung schätzt  wurde bei der Pressekoferenz deutlich an der kein Mitarbeiter der Kulturbehörde teilnahm – trotz der ca.
30 000 erwarteten Besucher!

Text: Herbert H. Böhm

Taschenbuch: Lange Nacht der Museen Hamburg, 353 S.

www.langenachtdermuseen-hamburg.de

Konsul Klöbens 39. Einladung – 16.12.2018


Der Segler geht ins Lager,
wenn er nicht segeln muß.
Nur noch die Gaffelsegler
Treibt es noch auf den Fluß.
Alljährlich zum Advente,
Und manchmal auch bei Eis,
Bevor das Jahr sich wende,
Dann geht´s um KLÖBENS Preis.
Die Segel aufgezogen,
Pullover aus dem Spind,
Das Oelzeug angezogen
Und dann zum Start geschwind.
Doch haben wir erledigt,
Die Fahrt mit frischem Mut,
Dann trinken wir auch kräftig,
Und das bekommt und gut!

Aller Bilder – Herbert H. Böhm, Hamburg

Mittsommernacht im Wattenmeer

Alarm im Gezeitenkalender! Auf Seite 26 im „Kleinen Blauen“ steht es schwarz auf weiß, die erste Hälfte des Segelsommers ist bald abgearbeitet. Halbzeit! Der 21. Juni kündigt es an: Sommersonnenwende!

Es war schon slawisches Brauchtum, diesen Sommertag, an dem die Sonne ihre Rückreise in den Winter antritt, gebührend zu feiern. Für die Skandinavier ist er heute noch ein Tag des Genießens. Für „t‘ Poffertje“ und Crew soll es auch ein besonderer Tag werden. So möchten wir seit einigen Jahren die Mittsommernacht im Watt verbringen, trockenfallen und die kürzeste Nacht des Jahres unter freiem Himmel genießen. Leider hat es aufgrund des Wetters bisher nie klappen sollen, denn jedes Jahr wieder: Wind NW 5-6, Schauerboen – wirklich kein Wetter um ein Event daraus zu machen.

Am Morgen des 21. Juni 2016 ist unser Tag gekommen. Der Deutsche Wetterdienst sagt für heute südwestliche Winde um 3 voraus, die abends auch noch abflauen sollen. Als Würze gibt es sogar Sonnenschein hinzu. Kleines Handycap: Deutschland spielt heute in der Vorrunde der Fußball Europameisterschaft gegen Nordirland. Aber dank moderner Technik könnten auch wir heute an diesem Match teilnehmen.

Schon früh morgens fahren wir zum Schiffsausrüster nach Meldorf und transportieren unsere erworbenen Kostbarkeiten weiter zum Hafen, wo unser Plattboden „t‘ Poffertje“ schon freudig an den Leinen ruckelt. Sämtlicher Proviant wird verstaut, noch ein paar Mal hoch und runter zum Auto bzw. zur Bootshalle gelaufen, bis schließlich alles an Bord ist, was auf so einer Reise gebraucht wird. „t‘ Poffertje“ und Crew sind klar zum Auslaufen! Aber wohin? Zum Tertius, auf die Sommerbank oder ins Muschelloch, Russenloch oder Sandloch? Ich entsinne mich an eine Wattwanderung von Friedrichskoog zum Bielshövensand mit dem Wattführer Jan Franzen, die quer über das Wattfahrwasser Hoogen verlief. Dieses Fahrwasser erlebt man eigentlich nur zur Hochwasserzeit um übers Watt in oder aus  der Meldorfer Bucht zu gelangen. Zur Niedrigwasserwasserzeit ist diese Gegend nicht so von Booten frequentiert. Deshalb wird der Hoogen heute unser Ziel sein. Festes und trockenes Sandwatt habe ich noch in guter Erinnerung. Leinen los! Yorke schmeißt die Vorleine los, Jerck bedient den Maschinentelegraph – halbe Kraft zurück.  Gegen 1300 Uhr schiebt sich unser Boot gegen die Tide durchs Sperrwerk, Pegel 6,70 m steigend. Jerck pustet das Achtungssignal durchs Horn – er hat Hunger. Also: Backen und Banken! Ich steuere das Kronenloch weiter seewärts, Maschinenfahrt.

Bei Tonne 40 verlassen wir das Fahrwasser, Kurs West, quer über das Watt. Die Wassertiefe nimmt kontinuierlich ab. Mit steigender „Bodenfreiheit“ nehmen wir dann die Mittelplate und ab 4,00 m unter uns Friedrichskoog Spitze voraus. Einen Augenblick später kommt die Tonne SL 9 und die 3 er Pricke zum Muschelloch in Sicht.

Während eines Besuches des Muschellochs bei Niedrigwasser erlebten wir in der letzten Woche wieder einmal, was Vergänglichkeit ist. Die einst so große Muschelbank verliert immer mehr an Fläche! Jede Flut trägt Sedimente heran, die die im Sonnenschein so herrlich leuchtenden Muscheln immer mehr bedecken, Jahr für Jahr. Ältere Photos zeigen unser Boot dort auf Muscheln trockengefallen, wo heute nur noch Schlick zu sehen ist.

An der Ansteuerungspricke läuft noch Flut. Wir werden also zum Höchstwasserstand ankommen. Das Echolot „singt“ noch die Tiefe des Muschellochs aus. Dann, 1,60 m, 1,50 m, 1,40 m! Das Wattenhoch Hoogen ist erreicht. Büsum Hochhaus peilt N und die Bohrinsel WSW! Ein Blick in die Seekarte bestätigt es. Jetzt wird „t‘ Poffertje“ nur noch Richtung Bielshövensand aus dem Wattfahrwasser zum Ankerplatz gebracht, 60 cm Sicherheit gönnen wir uns. Ausloten, Bodenprobe und – fallen Anker. Yorke am Ankerspill, Jerck wieder am Maschinentelegraphen und an den Ankerball denkend. Sonne satt und einschlafender Wind, ein feiner Platz für die Mittsommernacht. Pegel Büsum 6,83 m.

Es ist noch ein wenig Zeit, bis zum Trockenfallen. Die Kinder bereiten derweil eine lustige Flaschenpost vor, mit der sie dem Finder einen netten Gruß aus dem 8. Weltmeer senden wollen. Ein Flaschenpostbote kommt heute leider nicht mehr vorbei also wird die Post dem abebbenden Seewasser mitgegeben. Tschüß und gute Reise!

Dann ist es soweit, unser schwimmendes Zuhause setzt auf und bewegt sich nicht mehr. Die Lütten sind nicht mehr zu halten, es ist warm und sie wollen ins Wasser! Schon fliegt die Knüppelleiter über die Kante und die Füße werden ins Nass getaucht. Das Wasser ist heute besonders klar und am Grund nahe der Pricken sind Unmengen von Herzmuscheln zu sehen. Sie werden uns in Kürze ein besonderes Naturschauspiel zeigen. Mit dem Freiwerden der Wattflächen graben sich die Herzmuscheln in den Schlick ein und schießen das letzte Wasser aus ihrem Körper ca. 30 cm hoch in die Luft. Bei dieser Herzmuscheldichte glänzen diese unzähligen Wasserfontänen im Sonnenlicht und könnten in dieser Formation an den Salzburger Wasserspielen teilnehmen. Yorke und Jerck sammeln einige Muscheln und legen eine Strecke zum Herzmuschelrennen aus. Welche sich wohl als letztes eingegraben haben wird? Das Wettbüro ist eröffnet.   

19:30 Uhr, Abendbrotzeit! Es gibt Spaghetti Bolognese, mhh, lecker. Während des Essens kommt die Frage auf, ob Herzmuscheln ess- und genießbar sind. Also folgt der Mahlzeit die Muschelkunde in der Bordliteratur. Mit der Antwort essbar aber nicht sonderlich geschmackvoll geht es noch einmal auf Abendspaziergang ins Watt, Richtung Büsum, immer höher hinauf auf den trockenen und festen Bielshövensand. Wie eine Trophäe liegt unser Boot jetzt in der Ferne auf der Ebene. Zurück an Bord gibt es noch eine Gutenachtgeschichte von einem Wrack im Wattenmeer. Dieses Wrack war einst ein stolzes Segelschiff und hatte Klaviere geladen. Während eines Sturms strandete es zwischen den vorgelagerten Außensänden und musste aufgegeben werden. Im Laufe der Zeit hat der Sand sich das Schiffswrack geholt und unter sich begraben. Eine Wracktonne kennzeichnet heute noch die Untergangsstelle. Der Sage nach kann man nachts, bei ruhiger See, in der Nähe des Unglücksortes Klaviere spielen hören. Schon bald ist Ruhe im Schiff!

Sonnenuntergang ist heute um 22:00 Uhr. Fix wird noch eine Erdbeerbowle als Sundowner angesetzt. Frische Erdbeeren schnibbeln, kalter Sekt drüber und ab in die Plicht. Im Westen kommt Bewölkung auf, es zeigt sich ein chaotischer Abendhimmel. Wir genießen die Ruhe im Watt und freuen uns über den im Südosten aufgehenden Vollmond. Nach kurzem Schmökern in Jörgen Brackers Roman „Hinter der Nebelwand“ folgt dann auch für den Rest der Crew die Nachtruhe. Bald kommt das Wasser zurück.

Gegen Morgen werde ich von einem leichten Prasseln an Deck sanft aus dem Schlaf getrommelt. Es regnet! Sandra ist schon auf und schließt die Bulleyes und das Schiebeluk. Ich merke noch, wie unser Boot leicht auf den Grund stuckert und sich einen feinen Platz zum erneuten Trockenfallen sucht. Dann bin ich wieder eingeschlafen. Wir haben jetzt wieder Zeit –  welch ein kostbares Gut!

Zum Frühstück sind dann alle wach.  Draußen ist es noch grau, kühl und klamm. Wir schließen die Tür, drehen die Bootsheizung an und genießen zusammen eine köstliche und ausgiebige Mahlzeit unter Deck. Die Kinder möchten eine Runde „Schiffe versenken“ spielen – finde ich gar nicht witzig! Über der Weite des Bielshövensandes arbeitet sich die Sonne mittlerweile durch die Wolken durch und lässt die Lufttemperatur deutlich wärmer werden. In der Ferne ankert das Seezeichenschiff „Wulf Isebrand“. Ihre Besatzung prickt heute das Neufahrwasser neu aus, bis hinauf zum Sperrwerk Friedrichskoog!  

An Bord kommt Unruhe auf, die Sonne scheint und es ist kein Halten mehr. Wir machen uns klar zum Wattgang. In der Senke des Prickenweges laufen wir nach Osten zum Muschelloch, der Flut entgegen. Wir sehen, wie die erste Flutwelle ins Muschelloch drückt und sich immer weiter den Hoogen hinaufschiebt. Wir laufen mit ihr in Richtung Boot zurück. Yorke lässt ihr Spielboot mit der Flut fahren und Jerck versucht mit Staudämmen und Durchbrüchen das steigende Wasser zu regulieren. Etwa bei halber Tide trifft „unsere“ Flut auf den Flutstrom, der sich vom Altfelder Priel hinaufschiebt und schließt die Wasserfläche im Scheitel des Wattenhochs „Hoogen“. Pegel Büsum 5,10 m. Noch ein kleines Bad im frischen Wasser und dann geht’s auch schon wieder an Bord. Unser Holländer schwimmt auf. Noch ein kleiner Snack und dann heißt es: „Anker hieven!“ Während Jerck die Ankerwinde bedient, steht Yorke mit dem Deckswaschschlauch klar zum Spülen der Ankerkette. Doch die Kette kommt schon sauber aus dem Wasser und verschwindet im Kettenkasten.

Das azurblaue Himmelsbild wird mittlerweile von keiner Wolke mehr gestört, es ist warm und der Wind weht mit 2 bis 3 bft aus West. Beste Bedingungen für „Sailtraining“! Also Segel setzen! Es ist Arbeitsteilung angesagt, einer an das Klaufall und einer an das Piekfall. Dann die Gaffel immer schön waagerecht vorheißen, bis das Klaufall tight kommt. Erst danach das Piekfall weiter holen, bis es durchgesetzt ist. Jetzt noch die Fock und den Klüver. So segeln wir unter Vollzeug gegen die Tide nach Osten. Während Mama und Papa das ruhige Dahingleiten unter Segeln sehr genießen, kommt bei Jerck erstaunlich früh Langeweile auf. Er bemerkt, dass es wohl besser wäre, den Motor wieder zu starten. Zusätzlich wünscht er sich einen Düsenantrieb herbei. Im Steertloch können wir die Höhe des Fahrwassers nicht und segeln quer übers Watt in Richtung Tonne SP 34. Hier läuft schon Ebbe, die wir mit ein paar Schlägen nutzen, um nach Büsum zu kommen. Im Vorhafen machen wir wieder ein All-hands Manöver und bergen die Segel. Im Museumshafen festgemacht, genießen wir Urlaubsstimmung am Büsumer Hauptstrand.

Am folgenden Tag runden ein Besuch des Piratenbades und der Familienlagune den Büsumbesuch ab, bevor es mit der nächsten Mittagstide, unter Segeln wieder zurück nach Meldorf geht.

Text undFotos Michael Wieben

Konsul – Klöben – „Regatta“

 

Seit fast 40 Jahren begeben sich am. 3. Advent die weder durch vereiste Decks noch Regen, Nebel und Schneetreiben abzuschreckenden eisenharten Gaffler auf die Suche nach ihrem geheimnisvollen Förderer, dem Konsul Klöben. Man sagt ihm schier übernatürliche Kräfte nach. So soll der strahlende Sonnenschein nur ihm zu verdanken sein, bei dem in diesem Jahr eine Flotte von 6 traditionell geriggten Schiffen seinem Kielwasser zu folgen versuchte – zusätzlich eskortiert von der Dampfbarkasse Otto Lauffer, dem Zollboot  Präsident Schaefer und der Barkasse Sperber mit spendenwilligen Gästen an Bord. Obwohl bereits im vergangenen Jahr die Fahndung unweit der Köhlbrandbrücke ins Leere gelaufen war so wollten  die Gerüchte nicht verstummen, dass er auch in diesem Jahr dort das Treiben der alten Segler mit ihren braunen Segeln verfolgen wolle. Doch just als die schnelle Poeler Aaljolle „Schanze“  ihm schon recht nahe gekommen war, vielleicht zu nah, drehte er den ohnehin schwachen Wind  – und entkam unerkannt. Weder der Catarina der Stiftung Hamburg Maritim noch der Anna aus dem Museumshafen gelang es ihn einzuholen. Entmutigt holten die Crews bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Segel ein und eilten unter Maschine zu heißem Punsch und Klöben in den Döns genannten Pavillon auf dem Anleger des Museumshafens Oevelgönne um dort die wohlverdienten Auszeichnungen für den harten Einsatz entgegen zu nehmen. Bei einbrechender Dunkelheit, so war am Abend noch zuhören, hätte man allerdings den hochgezwirbelten Schnurrbart unter der charakteristischen Nase unter den klugen Augen mit dem Kneifer durch die beschlagenen Scheiben gesehen. – feierte man doch in diesem Jahr wesentlich entspannter, da es nach klug geführten Verhandlungen gelungen war, unterstützt u.a. von rebellischen Junggafflern, Ministerpräsidenten und Abgeordneten die befürchtete neue Sicherheitsrichtlinie den Erfordernissen vieler Traditionssegler anzupassen.

 

Text und Fotos H.H.Böhm 2017

Schiffssicherheitsverordnung für Traditionsschiffe wird verschoben

 

In einem Spitzengespräch mit dem amtierenden Verkehrsminister Christian Schmidt ist zwischen dem Vorsitzenden der GSHW und dem Minister vereinbart worden, dass der Entwurf zur neuen Verordnung ergebnisoffen überarbeitet werden soll. „Der Minister und auch wir streben eine Verordnung an, mit der es den Betreibern auch in Zukunft möglich sein soll, Traditionsschifffahrt unter deutscher Flagge zu betreiben“ so Jan-Mathias Westermann, Vorsitzender der GSHW.

In der am Mittag folgenden Arbeitskreissitzung zwischen dem BMVI und den Verbänden wurden erste Ergebnisse erzielt, so zum Beispiel, dass alle Ausnahmen von dem im Verordnungstext vorgesehenen baulichen Vorschriften schiffsbezogen festgehalten und für die Lebensdauer des jeweiligen Schiffes festgeschrieben werden. Dieses Vorgehen entspricht auch der Forderung der GSHW, eine Differenzierung nach Fahrtgebieten und Schiffsgrößen in der Verordnung zu verankern.

Weitere Gesprächsrunden werden am 28.11 und 15.12 2017 folgen. Die neue Verordnung soll dann am 01.04.2018 in Kraft treten.

„Wir sind verhalten optimistisch, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden“ so Nikolaus Kern, stv. Vorsitzender der GSHW.

 

Die Pressemitteilung zum Download findet man hier:

PM_20.11.17 (1)

 

Pressemitteilung der GSHW – Deutsche Traditionsschiffe in Gefahr

PM 10.11.17
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beabsichtigt den neuen Entwurf für die Schiffssicherheitsverordnung für Traditionsschiffen, der zum 01.01.2018 in Kraft treten soll, In der nächsten Woche zu unterschreiben. Darin enthalten sind Forderungen über Bau und Betrieb von Traditionsschiffen, die nicht umgesetzt werden können.
Der vom Bundesverkehrsministerium herausgegebene Entwurf sieht Änderungen und Vorschriften vor, die zur Folge haben, dass
1. der Betrieb hinsichtlich der Anforderungen an die ehrenamtliche Besatzung nicht mehr, oder nur noch eingeschränkt möglich sein wird,
2. die Schiffe in ihrem Aussehen bzw. baulichen Zustand so nachhaltig verändert werden müssen, dass sie ihren ursprünglichen Charakter verlieren könnten,
3. der finanzielle Aufwand zur Umsetzung der Forderungen die monetären Möglichkeiten der Betreiber übersteigt und der weitere Betrieb gefährdet ist.

Wird der Entwurf unverändert umgesetzt, werden deutsche Traditionsschiffe kaum mehr eingesetzt werden können. Die lebendige Präsentation traditioneller Seefahrt wird nicht mehr möglich sein. An den Paraden auf den maritimen Veranstaltungen wie Kieler Woche, Hansesail, Dampfrundum, Travemüder Woche, Sail Bremerhaven, Hamburger Hafengeburtstag usw. werden deutlich weniger deutsche Schiffe teilnehmen können.
Darüber hinaus werden dann Jugendreisen, die soziale Grundlagen wie Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein der Jugendlichen fördern, kaum mehr angeboten werden können. Die Schiffe dafür werden fehlen.
Das Maritime Erbe unseres Landes wird nur noch in Museen besichtigt werden können, nicht jedoch in der Praxis erlebt.
Seit mehr als 40 Jahren haben sich überwiegend ehrenamtlich tätige Freunde alter Schiffe darum bemüht, diese durch Erhalt und Pflege für die Gemeinschaft zu erhalten. Neben dem Gedanken des Maritimen Erbes sind es vor allem Jugendliche, die auf diesen Schiffen Erfahrungen sammeln können, zum Beispiel bei Klassenfahrten oder europäischen Treffen von Traditionsschiffen.

Nikolaus Kern, stv. Vorsitzender der GSHW: „ Wir erwarten vom BMVI, dass die Verordnung nicht in Kraft gesetzt wird, bevor sie nicht in Gesprächen mit den Verbänden so überarbeitet worden ist, dass der Erhalt der deutschen Traditionsschiffe gesichert ist. Wir möchten auch in mittelfristiger Zukunft fahrende Traditionsschiffe unter deutscher Flagge an unseren Küsten erleben.“

​ GSHW e.V. – Der Deutsche Dachverband für Traditionsschiffe

Titanic – Bordbuch auf dem Ewer Elfriede Lesung in Glückstadt Sonntag, 1. Oktober 2017 11.00

In Kürze erscheint im Delius Klasing – Verlag der der liebevoll gestaltete Band     Das Titanic – Bordbuch. 

Kompetent übersetzte Klaus Neumann den englischen Text. Am Sonntagmorgen, nach der traditionellen Regatta Rhinplate rund liest er daraus.
Diesmal werden allerdings nicht die allseits bekannten Fakten zum 100. male umgewälzt, potentiellen Passagiere dafür erhalten eine fachkundige Einführung in das Bordleben von der ersten bis zur dritten Klasse. Dazu gehören selbstverständlich auch Hinweise wann und zu welcher Gelegenheit was zu tragen ist um gesellschaftlich nicht im Abseits zu stehen ebenso wie der Bordalltag zu gestalten gleichzeitig vermitteln die Autoren einen Eindruck von der Technikeuphorie zu beginn des 20. Jahrhunderts. Dies unterstreicht der englische Titel noch einmal:

The Titanic Pocketbook – A Passengers Guide

Auf Wiedersehen am Sonntagmorgen im Salon des Ewers Elfriede um 11 Uhr!